Bobath-Therapie

„Solange 

Deine Kinder klein sind, 

gib ihnen Wurzeln.

Wenn sie groß werden, schenk´ ihnen Flügel.“

 

Khalil Gibran

ist keine feste Therapie-Form, sondern ein Konzept, das sich ständig weiter-entwickelt. Neue Impulse kommen z.B. durch:

 

  • Die Erfahrungswerte, die Therapeuten im Laufe der Jahre in ihrer Arbeit mit Patienten machen

  • Neue Möglichkeiten in der Medizintechnik und Materialverarbeitung (z.B. beim Bau von Einlagen für Kinder oder der Rollstuhlversorgung) 

  • Neu hinzu gewonnenes medizinisches Wissen, z.B. über die Muskel-physiologie

  • Andere Therapieformen, deren Ansätze sich mit der Bobath-Therapie gut verbinden lassen (z.B. Manuelle Therapie oder Craniosakrale Therapie).

 

Diese Offenheit und ständige Anpassung an aktuelles Wissen und beste-hende Möglichkeiten war von den Bobaths immer erwünscht und von den Therapeuten gefordert!

D.h., es gibt keine festgelegten „Bobath-Übungen“, nach denen Ihr Kind „beturnt“ wird, sondern konzeptionelle Grundsätze, nach denen die Aus-wahl und Gestaltung der therapeutischen Inhalte erfolgt!

Grundsätze 

Ein Kind lernt über das Spiel und sein Tun.

Daher ist es nur logisch, das Spiel und Alltagssituationen zu nutzen und in der Behandlung so zu gestalten, dass sie therapeutischen Effekt haben. Ihr Kind soll über sein aktives Planen und Handeln zu Problemlösungen kom-men, wobei es die Aufgabe des Therapeuten ist, die notwendigen Hilfen und Unterstützung zu geben.

 

Ein Beispiel:

ein Baby, das ungern auf dem Bauch liegt, weil es bislang zu geringe Muskelkraft im Rumpf hat.

 

Die Therapeutin/der Therapeut – 

sorgt für eine anregende Spielsituation: z.B. kann dieses Kind auf einer Spiegelfolie liegend, sich selbst betrachten, statt immer nur den gleichen Anblick des Bodens zu haben. 

 

schafft die biomechanischen Voraussetzungen für funktionelles Handeln:

Er wird diesem Kind durch eine Grifftechnik helfen, den Schwerpunkt zum Po zu verlagern, damit es leichter die Hände frei hat um damit zu spielen und z.B. nach dem Spiegelbild seiner Eltern zu greifen.

 

sorgt für geeignete Hilfsmittel und leitet die Eltern an: Die Eltern werden gezeigt bekommen, wie sie ihr Kind zuhause mit einer Rolle unter dem Brustkorb lagern können, damit ihm die Bauchlage leichter wird und es so seine Muskulatur langsam stärken kann.

Schmerz

hat hier nichts zu suchen.

Eine neue Bewegungserfahrung wird dann freiwillig immer wieder aus-probiert und in das eigene Repertoire übernommen, wenn sie mit einem „Lustgewinn“, nämlich mit Spaß verbunden ist! 

Schmerz dagegen führt immer zu Abwehr, Rückzug und Vermeidungs-strategien. So wird es in einer Bobath-Behandlung  gelegentlich vorkom-men, dass ein Kind vor Anstrengung „schimpft“, aber niemals wird die Therapie mit Schmerz verbunden sein

Was macht Bobath zu einer ganzheitlichen Therapie?

Im Befund Ihres Kindes wird ein Bobath-Therapeut natürlich danach schauen, wie der derzeitige Stand seiner motorischen Entwicklung ist, d.h. welche Bewegungsabläufe es bereits beherrscht und welche Qualität diese haben.

 

Parallel dazu wird er aber auch nach seinem Entwicklungsstand auf der 

  • Sensorischend.h. die Wahrnehmung, wie z.B. Tastsinn oder Gleichgewichtsorgan betreffend,

  • Sozialen, d.h. Art der Kommunikation und Verhalten betreffend und

  • Mental-kognitiven, d.h. geistig- intellektuelle Ebene betreffend

schauen.

 

Es ist nun die Aufgabe des Therapeuten, klar zu sehen, was diese individuelle kleine Person an Anreiz, Unterstützung oder Hilfe benötigt, um im Rahmen ihrer Möglichkeiten und Beschränkungen funktionell selbständig und aktiv zu werden. 

Denn so können wir (Eltern, Arzt und TherapeutIn gemeinsam!) die Wurzeln bieten, damit Ihr Kind später die Flügel so weit wie möglich ausbreiten kann...